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Immer dieselbe Klage

Giovanni Boccaccio, Decamerone, 1. Tag, 10. Geschichte (dt. Übersetzung von Heinrich Conrad, Berlin ca. 1925):

Heutzutage freilich ist zu unserer und aller jetzt Lebender allgemeiner Schande kaum ein einziges Frauenzimmer zu finden, das feinen Witz verstünde oder, wenn es ihn doch versteht, darauf zu antworten wüsste. Denn den Scharfsinn, den in der Vorzeit der Frauen Geist offenbarte, haben die neueren auf den Putz ihres Körpers verwandt, und diejenige, welche sich mit den buntesten, mit Streifen und Zierraten am meisten überladenen Kleidern behängt sieht, meint, sie müsse den übrigen um vieles vorgezogen werden und sei höherer Ehren wert. Doch sie bedenkt nicht, dass, wenn jemand die Mühen des Aufladend übernehmen wollte, ein Esel hundertmal mehr solchen Putz tragen könnte als sie und dennoch nicht mehr Ehre verdienen würde, als einem Esel gebührt.

Oder im Original:

come che oggi poche o niuna donna rimasa ci sia, la quale o ne ‘ntenda alcuno leggiadro o a quello, se pur lo ‘ntendesse, sappia rispondere: general vergogna e di noi e di tutte quelle che vivono. Per ciò che quella virtù che già fu nell’anime delle passate hanno le moderne rivolta in ornamenti del corpo; e colei la quale si vede indosso li panni più screziati e più vergati e con più fregi, si crede dovere essere da molto più tenuta e più che l’altre onorata, non pensando che, se fosse chi addosso o in dosso gliele ponesse, uno asino ne porterebbe troppo più che alcuna di loro; né per ciò più da onorar sarebbe che uno asino.

Die Klage ist nicht nur immer dieselbe, sie ist (wenn auch vielfach gut begründet) dennoch immer ganz sinnlos: Schliesslich gefallen sie uns ja, (wenn nicht weil, so doch sicherlich auch), wenn sie sich herausputzen.