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Die kluge Else: Identitätsprobleme

Mir gefällt auch “Die kluge Else” sehr gut (ebenfalls von Jacob und Wilhelm Grimm aufgeschrieben).

[…] Da eilte Hans geschwind heim, und holte ein Vogelgarn mit kleinen Schellen und hängte es um sie herum; und sie schlief noch immer fort. Dann lief er heim, schloß die Hausthüre zu und setzte sich auf seinen Stuhl und arbeitete. Endlich, als es schon ganz dunkel war, erwachte die kluge Else, und als sie aufstand, rappelte es um sie herum, und die Schellen klingelten bei jedem Schritte, den sie that. Da erschrack sie, ward irre ob sie auch wirklich die kluge Else wäre und sprach „bin ichs, oder bin ichs nicht?“ Sie wußte aber nicht was sie darauf antworten sollte und stand eine Zeitlang zweifelhaft: endlich dachte sie „ich will nach Haus gehen und fragen ob ichs bin oder ob ichs nicht bin, die werdens ja wissen.“ Sie lief vor ihre Hausthüre, aber die war verschlossen: da klopfte sie an das Fenster und rief „Hans, ist die Else drinnen?“ „Ja,“ antwortete der Hans, „sie ist drinnen.“ Da erschrak sie, und sprach „ach Gott, dann bin ichs nicht,“ und gieng vor eine andere Thür; als aber die Leute das Klingeln der Schellen hörten, wollten sie nicht aufmachen, und sie konnte nirgend unterkommen. Da lief sie fort zum Dorfe hinaus, und niemand hat sie wieder gesehen.

Intelligenz und Schwarm

Schopenhauer scheint also nicht viel von “Schwarmintelligenz” zu halten. Wahrscheinlich, weil es ihm um das Richtige oder Wahre geht, während es doch im Leben reicht, durchzukommen, und das geht meist auch mit dem ungefähr Richtigen und dem fast Wahren. Evolution ist einfach nicht so anspruchsvoll. Und Intelligenz (auch ohne Schwarm) biologisch nicht so bedeutsam, wie deren Träger glauben, sonst wäre sie wohl sehr viel weiter verbreitet.

Nothing is so brilliantly adaptive as selective stupidity.

bemerkt Amélie Oksenberg Rorty treffend (Mind in Action. Essays in the Philosophy of Mind. Boston 1988, 219).